Kölner Stadt-Anzeiger vom 28.01.2020

Klassiker mit luftigem Schwung

Kammerphilharmonie spielte Mozart und Beethoven - Junger Geiger überzeugte

 

VON DIETMAR FRATZ

Bergheim. Beethoven war in Wien frisch verliebt, als er 1806 seine „Vierte“ komponierte, Mozart als Konzertmeister in Salzburg 1775 jugendlich neugierig auf dem Weg in die erste Liga der Komponisten. Spritziger Mozart und romantisch-euphorischer Beethoven waren die Eckpunkte des Konzerts der Kammerphilharmonie Rhein-Erft im nur durchschnittlich besuchten Medio.

Als Aufgalopp in den kurzweiligen Musikabend hatte Musikdirektor Christian Letschert-Larsson Mozarts funkenstiebende Ouvertüre zum Figaro ausgewählt. Mit Elan und gut gesetzten Lichtpunkten nicht nur von Pauken und Trompeten gelang das beliebte Musikstück einnehmend.
Als Mozarts das Violinkonzert in A-Dur (KV 219) komponierte, war er 19 Jahre alt, ein Jahr jünger als der Bergisch Gladbacher Geiger David Moosmann heute ist. Der studiert in Norddeutschland und lernte Letschert-Larsson bei einem Konzert in dessen Flensburger Heimat kennen. Er gab seinen Solopart mit großer, für sein Alter erstaunlich abgeklärter Ruhe und intensiver Präsenz. Bis ins Pianissimo entlockte er seinem Instrument einen runden Ton mit frischer, variabler Färbung.
Ohne Hast musizierte er die ausladenden Kadenzen mit hochkarätiger Technik aus. Er konnte sich dabei auf ein aufmerksames und mitempfindendes Orchester verlassen. Letschert-Larsson konnte sich im liedhaften Adagio-Mittelsatz den Luxus leisten, sich am Geländer hinter dem Dirigentenpult anzulehnen und Moosmann den Raum zu lassen, den die oft verspielten Solopassagen zum Atmen benötigen.
Im rondoartigen Schlusssatz wartete der Solist mit exquisitem Laufwerk auf. Die chromatischen Passagen gelangen in den umsichtig agierenden Streichern kompakt und mit Witz. Der Applaus hätte eine Zugabe des Geigers verdient gehabt.
Aus Anlass des allgegenwärtigen Beethoven-Geburtstags spielte das Orchester dessen eher selten gehörte vierte Sinfonie (B-Dur, op.60). Aus bestens synchronisiertem Portato entwickelten die Musiker unter ihrem Dirigenten das idyllisch-frohgestimmte Werk bald drängend, bald süffig. Der zweite Satz, der die jahreszeitlich passende Karnevalsquarte mehrfach bemüht, gelang trotz spannender Passagen gut durchlüftet und schwungvoll. Gut disponierte Holzbläser sorgten, auch in Dialogen mit den Streichern, für klangliche Breite. Besonders Flöten und Oboen taten sich mit romantischen Soli hervor. Der Schlusssatz und das angehängte Finale, in denen Beethoven eitel Freude versprüht, gelangen beseelt, aber nicht übertrieben forciert. Dadurch wurde dem Werk gebührende Eleganz zuteil.
Überraschend ließ sich Letschert-Larsson nicht lange bitten und ließ sein Orchester schon beim zweiten Vorhang die Schlusspassage des Finales wiederholen.

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