Die ersten 100 Jahre

Viele Quellen sind verloren
Tief in die Archive begaben sich 1950 der ehemalige Regierungsrat Josef Höfer und der Kreisamtmann Ignaz Heinen, um die Geschichte der ersten hundert Jahre des Bergheimer Volkschores zu erforschen. Da das Archiv des Chores zu großen Teilen durch den Krieg verloren gegangen war, stützen sie sich vor allem auf die aus dem 19. Jahrhundert gesammelten Jahrgänge des ehemaligen "Intelligenzblattes für den Kreis Bergheim und den Landkreis Köln", soweit diese nicht ebenfalls der Vernichtung anheimgefallen waren. Dabei fanden sie nicht nur zahlreiche Zeitungsartikel, die die Existenz und Konzertaktivitäten des Chores um 1860 belegen, sondern auch einen Programmabdruck, der für Sonntag, den 23. April 1865, "Abends präcise 7 1/2 Uhr, im Saale des Herrn C. Junggeburth zu Bergheim" ein Konzert ankündigt, bei dem unter anderem auch ein Teil des Haydn-Oratoriums "Die Schöpfung" und eine Fantasie über Nicolais Oper "Die lustigen Männer von Windsor" zu hören sein sollte.

Auf den Spuren der Chorgründer
Die Ergebnisse ihrer mühsamen Archivarbeit präsentierten Josef Höfer und Ignaz Heinen in der "Festschrift zum 100-jährigen Jubelfeste": "Am Sylvesterabend 1881/82 veranstaltete der Männergesangverein im Rössler´schen Saale ein Festessen, woran sich auch Nichtmitglieder so zahlreich beteiligten, daß beide Räume dicht besetzt waren. Im Jahre 1893 berief der Mittelschullehrer an der höheren Knabenschule in Bergheim, Gustav Pielken, unter Beteiligung des Männergesangvereins einen gemischten Chor ins Leben. Leider war der Bestand nur von kurzer Dauer, da Pielken im Jahre 1895 nach Krefeld übersiedelte. Es folgte nun ein Interregnum bis zum Jahre 1900. Am 16. Dezember 1900 wurde Johann Bodewig zum Präsidenten und Wasserbauingenieur Müller zum Dirigenten des wiederaufgelebten Männergesangvereins gewählt. Mit frischem Eifer wurde die Vereinstätigkeit wiederaufgenommen."

Neben dem Gesang stets auch Geselligkeit
Auch von den frühen Festlichkeiten und Erfolgen bei Wettbewerben berichteten Josef Höfer und Ignaz Heinen: "1907 nahm das Stiftungsfest einen guten Verlauf. Im Februar wurde die erste Kappensitzung mit Damen abgehalten. Der Verein legt hier köstliche Proben eines gesunden Humors ab. Im Juni 1907 nahm der Verein am Sängerwettstreit in Frechen teil und errang bei starker Konkurrenz in der Landesklasse den 2. Preis. Das Preisgeld damals: 150 Mark und eine Medaille.

Für die folgenden Jahre verzeichneten die beiden Sänger neben den Frühjahrs- und Herbstkonzerten auch Ausflüge an Rhein und Ahr und eine Sängerfahrt nach Rolandseck. Nur einmal, so zeigt die Chronik von Josef Höfer und Ignaz Heinen, hat ein Dirigent sein Amt mit der Begründung niedergelegt, der Probenbesuch habe ihm allzu sehr nachgelassen. Die kleine Krise jedoch wurde überwunden; Musikdirektor Bornheim im November 1912 als neuer Dirigent verpflichtet.

Zwangspause im Ersten Weltkrieg
Doch es nahte schon bald neues Ungemach: Der Erste Weltkrieg. Er setzte dem Vereinsleben ein jähes Ende, auch wenn die in der Heimat verbliebenen Sänger während des Krieges weiter bei verschiedenen Veranstaltungen unter der Stabführung von Musikdirektor Pielken mitwirkten. Die richtige Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit genehmigte die Besatzung erst 1919. Über die daran anschließenden Jahre berichten Höfer und Heinen Folgendes: "Am 18.12.1921 beteiligte sich der Verein an einem Konzert der vereinigten Chöre zum Besten des Baues einer neuen Kirche in Fortuna. Am gleichen Tage beschloss der Verein, dem neugegründeten Erftsängerbund beizutreten und beim ersten Bundfest in Kirchherten im Jahre 1922 mitzuwirken." Auch wenn die Konzerte oft schlecht besucht waren - wegen der Inflation kostete eine Karte für das Herbstkonzert des Jahres 1932 eine Milliarde Mark -, veranstalteten und absolvierten die Bergheimer Sänger auch in den folgenden Jahren eigene Konzerte, Gastauftritte, Feste und sogar Theateraufführungen und weitere Karnevalsitzungen

Erneute Krise und erfolgreicher Neuanfang im Jahr 1946
Im Mai 1933 wurde das 75-jährige Jubelfest des Bergheimer Kirchenchores „Cäcilia“ in Verbindung mit dem Erftsängerbundfest in besonderer Weise begangen", berichten Josef Höfer und Ignaz Heinen über die dem Zweiten Weltkrieg vorangehenden Jahre: "In späterer Zeit zerstörte die sogenannte Gleichschaltung bei vielen Sängern die Lust und Liebe zum Chorgesang. Der Besuch zu Proben ließ zu wünschen übrig. Die Zahl der Getreuen war so klein geworden, daß keine öffentlichen Veranstaltungen mehr stattfinden konnten. 1939 kam der zweite große Krieg. Aus ihm betrauert der Verein 8 Mitglieder." Trotz der Verluste warteten der Anfang 1946 wiederbegründete Männergesangverein und Volkschor schon am Himmelfahrtstage 1946 mit einem Volksliederkonzert in der Aula des Bergheimer Gymnasiums auf. "Das Archiv des Vereins berichtet seither von erfolgreichen Konzerten, Stiftungsfesten und anderen Veranstaltungen unter Mitwirkung von Chormitgliedern als Solisten", vermelden die Chronisten. Ausflüge in den Jahren 1946 und 1947 mit dem Schiff nach Honnef und die glanzvollen Karnevalssitzungen der Jahre 1947 bis 1949 hätten dem Vereinsleben einen kräftigen Schub verliehen: „So wurden auch die wiederholten Liedervorträge am Bergheimer Krankenhause, verschiedene Freikonzerte für Ostvertriebene, die Mitwirkung bei der Brückenweihe in Bergheim, die Totenehrung am Allerheiligentag und die Teilnahme am Sängerfest 1949 des wiedererstandenen Sängerkreises Bergheim e.V. Horrem, eine Kette von Erfolgen."

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